Im Mai 2024 hat Google in den USA begonnen, KI-Antworten über die Suchergebnisse zu stellen. In Deutschland kamen die KI-Übersichten Ende März 2025, der KI-Modus als eigener Reiter im Oktober 2025. Seitdem hat sich das Geschäft der SEO-Agenturen stärker verändert als im ganzen Jahrzehnt davor. Manche Leistungen, für die Kunden 2023 noch gern bezahlt haben, sind heute kaum etwas wert. Andere, die früher als Nebensache galten, entscheiden jetzt über die Sichtbarkeit.
Dieser Beitrag ordnet ein, was belegt ist, was wir in unserer eigenen Arbeit beobachten und was wir für 2027 erwarten. Diese Ebenen halten wir bewusst auseinander, denn in kaum einem Feld wird gerade so viel behauptet wie in diesem.
Was die Zahlen zeigen
Die Suche selbst schrumpft nicht. Das Marktforschungsunternehmen Gartner hatte Anfang 2024 vorhergesagt, das Volumen klassischer Suchmaschinen werde bis 2026 um 25 Prozent sinken, weil Chatbots die Fragen übernehmen. Google meldet stattdessen Rekorde bei den Suchanfragen. Im Juli 2026 erklärte Konzernchef Sundar Pichai, der KI-Modus habe inzwischen mehr als eine Milliarde Nutzer im Monat und lasse die Zahl der Suchanfragen insgesamt steigen.
Geschrumpft sind die Klicks. Das Pew Research Center hat das Surfverhalten von 900 Erwachsenen in den USA im März 2025 ausgewertet. Erschien eine KI-Zusammenfassung, klickten die Nutzer in 8 Prozent der Fälle auf ein klassisches Suchergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 Prozent. Auf einen Link innerhalb der Zusammenfassung klickte kaum jemand, das geschah bei rund 1 Prozent der Besuche.
Die Agentur Seer Interactive wertet über 5,4 Millionen Suchanfragen von 53 Marken aus. Bei Anfragen mit KI-Übersicht fiel die organische Klickrate von 3,19 Prozent im Januar 2025 auf 1,31 Prozent im Dezember 2025 und stieg bis Februar 2026 wieder auf 2,36 Prozent. Woran die Erholung liegt, können auch die Autoren nicht sagen.
Der Verkehr aus Chatbots wächst, bleibt aber klein. Ahrefs zählte im März 2026 für knapp 75.000 beobachtete Websites rund 3,5 Millionen Besuche aus Chatbots, das entsprach 0,28 Prozent des gesamten Verkehrs dieser Seiten. Etwa 2,7 Millionen davon kamen aus ChatGPT.
Und das Messen wird schwieriger. Seit dem 9. Oktober 2026 ist der in Google Analytics sichtbare ChatGPT-Verkehr auf vielen Websites um fast die Hälfte eingebrochen, während die Besuche insgesamt stabil blieben. Der Messdienst LLM Pulse führt das darauf zurück, dass Links aus ChatGPT-Antworten seit einer Umstellung ohne Herkunftsangabe öffnen und als direkte Aufrufe gezählt werden. Google wiederum zeigt in der Search Console seit Juni 2026 einen eigenen Bericht für KI-Übersichten und KI-Modus. Er enthält vorerst nur Impressionen und keine Klicks und wird zunächst nur für einen Teil der Websites ausgerollt.
Was das mit dem Agenturgeschäft gemacht hat
Traffic als Erfolgsmaß hat ausgedient
Viele Agenturen haben jahrelang Rankings und Besucherzahlen berichtet. Seit 2025 erleben ihre Kunden, dass beides auseinanderläuft. Die Position bleibt, die Klicks gehen zurück, weil die Antwort schon über dem Ergebnis steht. Wer seinen Wert über Traffic definiert hat, musste erklären, warum die Kurve sinkt, obwohl die Arbeit gut ist. Besser stehen Agenturen da, die von Anfang an Anfragen, Buchungen und Umsatz gemessen haben.
Texte von der Stange sind fast nichts mehr wert
Einen ordentlichen Ratgebertext zu einem Suchbegriff schreibt heute jedes Sprachmodell in Sekunden. Der Marktpreis für solche Texte ist entsprechend gefallen. Gleichzeitig geht Google seit März 2024 mit einer eigenen Spam-Regel gegen Inhalte vor, die in großer Menge vor allem für Suchmaschinen erzeugt werden, gleich ob ein Mensch oder eine Maschine sie geschrieben hat. Ein Inhaltsplan, der auf Masse setzt, ist damit doppelt entwertet: billig zu kopieren und riskant zu veröffentlichen.
An Wert gewonnen haben Inhalte, die ein Sprachmodell nicht aus dem Netz zusammensetzen kann. Dazu gehören eigene Zahlen, Erfahrungen aus Projekten, Fallbeispiele mit Namen und Einschätzungen, für die jemand mit seinem Namen einsteht.
Technisches SEO braucht weniger Stunden und mehr Verständnis
Crawling, Statuscodes, Weiterleitungen und Ladezeit prüfen Werkzeuge heute weitgehend selbstständig, und KI-Assistenten schlagen die Korrektur gleich mit vor. Die Stunden, die früher in Audits flossen, sind weniger geworden. Gewachsen ist der Bedarf an Menschen, die verstehen, wie Maschinen eine Website lesen: strukturierte Daten, Regeln für KI-Crawler und Schnittstellen, über die Assistenten Preise und Verfügbarkeit abfragen können.
Eine neue Leistung mit unklarem Preis
Unter Namen wie GEO oder AEO verkaufen Agenturen inzwischen Sichtbarkeit in KI-Antworten. Die Preise reichen von kleinen Monatspaketen bis zu fünfstelligen Beträgen, einheitliche Maßstäbe gibt es nicht. Seien Sie vorsichtig bei jedem Angebot, das einen Platz in den Antworten von ChatGPT oder Google garantiert. Die Antworten ändern sich von Abfrage zu Abfrage, und außerhalb der Anbieter kontrolliert niemand, welche Quellen ein Modell nennt.
Was in KI-Antworten zählt
Belastbare Studien dazu, wie Sprachmodelle ihre Quellen auswählen, gibt es bisher wenige. Was wir in unserer Arbeit beobachten, deckt sich aber mit dem, was viele Kollegen berichten.
Am stärksten wirkt, wie oft und wo eine Marke erwähnt wird. Ein Unternehmen, über das Fachmedien, Verbände, Lokalzeitungen und Radiosender berichten, taucht in Antworten erkennbar häufiger auf als eines, das nur auf der eigenen Website über sich spricht. Öffentlichkeitsarbeit ist damit zu einem Teil der Suchmaschinenoptimierung geworden. Wie eine Pressemitteilung aussieht, die eine Redaktion tatsächlich öffnet, und wie Sie als Fachmann ins Radio kommen, haben wir in eigenen Beiträgen beschrieben.
Ebenso wichtig sind klare, zitierfähige Angaben auf der eigenen Seite. Preise, Liefergebiete, Zertifikate, Öffnungszeiten, Zuständigkeiten: Was ein Modell eindeutig ablesen kann, gibt es auch eindeutig wieder. Werbesprache ohne konkrete Angabe hilft dabei wenig, weil sie keine Frage beantwortet.
Dazu kommt der technische Zugang. Wer KI-Crawler aussperrt, nimmt sich die Chance, mit den eigenen Seiten zitiert zu werden. Strukturierte Daten helfen beim Verstehen, den Code dafür stellt etwa der kostenlose Schema-Generator von hafenstudios aus unserem Haus zusammen, und eine llms.txt kann Sprachmodellen den Einstieg erleichtern, auch wenn dieser Vorschlag bisher kein verbindlicher Standard ist. Wie weit man gehen kann, zeigt unser Werkstattbericht zu Landwiese.de: Dort können KI-Assistenten über eigene Schnittstellen im Sortiment suchen und Bestellungen vorbereiten.
Was wir für 2027 erwarten
Die folgenden Punkte sind Einschätzungen. Sie beruhen auf dem, was heute angekündigt oder in ersten Märkten bereits zu sehen ist.
Assistenten kaufen ein
Seit Herbst 2025 gibt es offene Protokolle, mit denen KI-Assistenten im Auftrag ihrer Nutzer bezahlen können, etwa das Agentic Commerce Protocol von OpenAI und Stripe. 2027 wird ein wachsender Teil einfacher Einkäufe und Buchungen in einem Gespräch beginnen und dort auch abgeschlossen werden. Für Händler und Dienstleister heißt das: Neben der Seite für Menschen braucht es einen Zugang für Maschinen, über den ein Assistent Angebot, Preis und Verfügbarkeit verlässlich abfragen kann. Diesen Zugang zu bauen, wird zu einer Agenturleistung, die es 2023 noch nicht gab.
Gemessen wird die Sichtbarkeit in Antworten
Google hat angekündigt, den neuen Bericht in der Search Console um weitere Kennzahlen zu ergänzen. Bis dahin setzt sich eine Mischung durch: wie oft eine Marke in Antworten auftaucht, gemessen über feste Fragenkataloge, dazu Anfragen und Umsatz als eigentlicher Maßstab. Klickzahlen allein verlieren in Berichten an Gewicht, weil sie immer unvollständiger werden.
Spezialisten gewinnen gegen Standardpakete
Das klassische SEO-Paket mit festen Textmengen und einem monatlichen Ranking-Bericht verliert seinen Sinn. Wachsen wird Arbeit, die Branchenkenntnis voraussetzt: Fachinhalte mit echten Daten, Öffentlichkeitsarbeit in den Medien, die eine Zielgruppe tatsächlich liest, und die technische Anbindung an Assistenten. Kleine Agenturen mit tiefem Wissen in einer Nische werden davon stärker profitieren als große Häuser mit standardisierten Paketen.
Preise folgen dem Ergebnis
Wenn KI einen großen Teil der Routinearbeit übernimmt, lassen sich Stundensätze für genau diese Arbeit nicht halten. Wir rechnen mit mehr Festpreisen für klar umrissene Projekte und mit Modellen, die sich an Anfragen oder Umsatz orientieren. Kunden werden zu Recht fragen, welcher Teil der Arbeit von einer Maschine stammt und was sie dafür bezahlen.
Woran Sie eine Agentur erkennen, die dafür aufgestellt ist
Fragen Sie im ersten Gespräch, woran die Agentur ihren Erfolg misst. Wer nur Rankings und Besucher nennt, arbeitet mit den Maßstäben von 2022. Fragen Sie, welche Arbeit mit KI erledigt wird und wie sich das im Preis niederschlägt. Eine offene Antwort darauf ist ein gutes Zeichen.
Fragen Sie außerdem, wie die Agentur dafür sorgt, dass andere über Sie schreiben. Ohne Zugang zu Redaktionen und Fachmedien lässt sich ein wachsender Teil der Sichtbarkeit nicht mehr beeinflussen. Und werden Sie hellhörig, wenn jemand feste Plätze in KI-Antworten verspricht. Seriös ist das Versprechen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen und die Entwicklung offen zu messen.
Bei Charming Media verbinden wir Suchmaschinenoptimierung deshalb mit Öffentlichkeitsarbeit und mit der technischen Arbeit, die Websites für Assistenten lesbar macht. Unser Rat an jedes Unternehmen lautet: Investieren Sie in das, was nur Sie haben, Ihre Zahlen, Ihre Fälle und Ihre Erfahrung, und sorgen Sie dafür, dass andere darüber berichten.
Quellen
Pew Research Center: Google users are less likely to click on links when an AI summary appears in the results (Juli 2025). Seer Interactive: AIO Impact on Google CTR, 2026 Update. Ahrefs: AI Chatbot Traffic. LLM Pulse: ChatGPT Referral Traffic Fell by Almost Half on October 9, 2026. Google Search Central: Search Generative AI performance reports in Search Console (Juni 2026) und Spam-Richtlinien vom März 2024.
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