Die Bauerntüte aus Köln bringt Bio-Obst und Gemüse vom Hof direkt zu ihren Kunden nach Hause, einmalig oder im Abo, mit eigenen Fahrern. Weniger sichtbar war bisher das zweite Standbein. Büros bekommen ihren Obstkorb, Kitas und Küchen ihre Großgebinde, Hofläden ihre Trockenware. Dieses Geschäft lief über Telefon, E-Mail und eine Excel-Tabelle mit rund 11.000 Artikeln.
Gemeinsam mit dem Team von hafenstudios haben wir dafür eine eigene Plattform gebaut: Landwiese.de, den Bio-Großhandel der Bauerntüte GmbH für Geschäftskunden im Rheinland. Dieser Bericht beschreibt die Entscheidungen, die dabei anfielen. Sie lassen sich auf viele Händler übertragen, die ihr Firmenkundengeschäft ins Netz holen wollen.
Warum ein eigener Name
Bauerntüte.de spricht Haushalte an, mit Kisten, Rezepten und einem Ton, der zu Familien passt. Eine Kita-Leitung oder der Einkauf einer Kantine sucht etwas anderes: Netto-Preise, Gebinde, Lieferfenster, Rechnung. Beides auf einer Website zu vereinen, hätte beide Zielgruppen verwirrt.
Deshalb tritt der Großhandel unter der eigenen Marke Landwiese auf, mit eigenem Logo und einer eigenen Gestaltung in Wiesengrün und Gold. Vertragspartner bleibt die Bauerntüte GmbH, das steht im Impressum, in den AGB und auf den Lieferscheinen.
Warum kein fertiges Shopsystem
Am Anfang stand ein Vergleich. Geprüft haben wir Medusa, Vendure, Saleor, Spree, Shopware, Shopify B2B und einen Eigenbau, mit belegten Angaben zu Filterleistung, Rabattlogik, Firmenkonten, Import und Betriebsaufwand. Das Ergebnis fiel deutlich aus.
Die Artikel der Bauerntüte sind einfach aufgebaut: eine Verkaufseinheit, ein Preis je Preisliste. Schwierig sind drei andere Dinge, der Import aus der Excel-Tabelle, die Preislogik mit Staffeln und Schwellen und Filter, die bei 11.000 Artikeln schnell bleiben. Genau diese Teile hätten wir bei jedem fertigen System selbst bauen müssen. Dazu kommt der Betrieb: Der Eigenbau läuft mit zwei Containern, die meisten Kandidaten brauchen vier oder mehr.
Gebaut ist Landwiese mit Next.js, TypeScript und PostgreSQL. Die Datenbank beantwortet die Filterzähler über das ganze Sortiment in Millisekunden. Die Excel-Tabelle bleibt das Werkzeug, in dem die Bauerntüte ihre Artikel und Preise pflegt, die Plattform liest sie ein.
Was Geschäftskunden dort vorfinden
Ein Firmenkonto ist in zwei Minuten angelegt und wird von der Bauerntüte freigeschaltet. Danach sieht jede Kundengruppe ihre eigene Preisliste, getrennt nach Büros, Gastronomie und Kitas sowie Wiederverkäufern. Mehrere Besteller können unter einem Konto arbeiten, und Mitarbeiter einer Firma dürfen auf Wunsch privat zu Firmenkonditionen bestellen.
Das Sortiment lässt sich nach Kategorie, Bio-Standard, Herkunft, Marke, Ernährungsform, Kühlung, Gebinde und Preis filtern, jeweils mit der Zahl der Treffer. Die Suche verzeiht Tippfehler: „haverflocken“ findet Haferflocken. Preise stehen netto je Gebinde, Staffelpreise greifen ab drei Gebinden. Ob ein Betrieb im Liefergebiet liegt, zeigt die Postleitzahl, samt Liefertagen. Bestellt wird bis 14 Uhr am Vortag, bezahlt auf Rechnung oder per Lastschrift, und wiederkehrende Lieferungen laufen als fester Turnus.
Für Küchen gibt es einen Küchenplaner mit 30 Rezepten nach den Leitfäden für Kita und Gemeinschaftsverpflegung. Er rechnet auf die eigene Portionszahl um, druckt den Speiseplan mit dem Logo der Einrichtung und legt die Zutaten in einem Schritt in den Warenkorb.
Bio mit Nachweis
Der Begriff „Bio“ ist rechtlich geschützt, und Einkäufer von Kitas und Kantinen müssen ihn gegenüber ihren Trägern belegen können. Jeder Bio-Artikel auf Landwiese zeigt deshalb die Öko-Kontrollstelle seines Herstellers. Die Bauerntüte selbst ist unter DE-ÖKO-006 zertifiziert, auch das steht auf jeder Seite. Fehlt bei einem Artikel noch der Nachweis, sagt die Seite das offen.
Ein Einkaufshelfer, der in Personen und Tagen denkt
Großküchen rechnen in Personen und Tagen, Shops in Artikelnummern. Der KI-Einkaufshelfer übersetzt zwischen beiden. Eine Küchenleitung tippt etwa „Frühstück für 40 Kita-Kinder, eine Woche, ohne Zucker“. Der Helfer sucht im Sortiment, rechnet die Mengen auf Gebinde um und schlägt einen Warenkorb vor. Jede Position lässt sich prüfen, ändern oder streichen, bevor sie übernommen wird. Selbst bestellt der Helfer nie.
Dahinter arbeitet Claude von Anthropic, mit festen Regeln: nur Artikel, die es im Sortiment wirklich gibt, Bio nur mit Kontrollstellencode, und bei fehlenden Angaben eine sichtbare Annahme mit einer Rückfrage.
Gebaut für Menschen und für Maschinen
Immer mehr Einkäufe beginnen mit einer Frage an einen KI-Assistenten. Landwiese ist darauf vorbereitet. Die Seite erlaubt KI-Crawlern ausdrücklich den Zugriff auf das Sortiment, beschreibt sich in einer llms.txt für Sprachmodelle und zeichnet jeden Artikel mit strukturierten Daten aus, einschließlich Netto-Preis, Gebinde und Kontrollstelle.
Einen Schritt weiter gehen die Schnittstellen. Über eine dokumentierte REST-API und einen MCP-Server können Assistenten wie Claude im Katalog suchen, Rezepte in Einkaufslisten verwandeln und mit dem Schlüssel einer freigeschalteten Firma Bestellungen vorbereiten. Die Schnittstelle rechnet jede Bestellung zuerst durch und weist den Assistenten an, vor dem Abschicken die Freigabe des Menschen einzuholen. So kann eine Kita-Verwaltung ihre wöchentliche Bestellung künftig ihrem Assistenten übergeben und behält trotzdem die Kontrolle.
Tempo als Arbeitsweise
Konzept, Recherche zu Shopsystemen, Bio-Kennzeichnung und Preismodellen sowie die erste lauffähige Fassung sind an einem Tag entstanden. Seit dem Abend des 21. Oktober 2026 ist Landwiese.de online. Möglich war das, weil das hafenstudios-Team mit KI-Werkzeugen arbeitet und jede Entscheidung schriftlich festhält, vom Vergleich der Shopsysteme bis zur Preislogik, die mit Testfällen auf den Cent geprüft wird.
Derzeit läuft die Plattform als Vorführversion mit Beispielpreisen aus der Artikeltabelle. Als Nächstes folgen der vollständige Import des Sortiments, der Versand der Bestellmails und Rechnungen als PDF.
Was sich übertragen lässt
Wer Geschäftskunden und Privatkunden bedient, braucht oft zwei Auftritte, weil beide unterschiedlich einkaufen und unterschiedlich angesprochen werden wollen. Und bei einfachen Produkten mit anspruchsvoller Preislogik ist ein schlanker Eigenbau im Betrieb oft günstiger als ein großes Shopsystem, dessen Zusatzfunktionen niemand nutzt.
Eine Website, die heute neu entsteht, sollte außerdem von Anfang an für KI-Assistenten lesbar und bedienbar sein. Nachträglich lässt sich das ergänzen, es ist aber deutlich einfacher, die Schnittstellen gleich mitzudenken. Was das für Agenturen insgesamt bedeutet, beschreiben wir in einem eigenen Beitrag über SEO-Agenturen im Jahr 2027.
In eigener Sache
Hinter Charming Media und hafenstudios steht derselbe Betreiber. Die Bauerntüte GmbH ist unsere Kundin, Landwiese.de ist ein Auftragsprojekt.
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