Wer einen Online-Kurs erstellen will, denkt meist zuerst an Kamera, Licht und die passende Plattform. Das ist verständlich, denn diese Dinge lassen sich kaufen und abhaken. Die Entscheidungen, an denen ein Kurs später gelingt oder scheitert, fallen aber früher: am Schreibtisch, mit einem leeren Blatt Papier.
Aus unseren Kursprojekten hat sich eine Reihenfolge ergeben, an die wir uns seitdem halten. Sie funktioniert für einen Kurs mit fünf Lektionen genauso wie für ein Jahresprogramm.
Mit dem Ergebnis anfangen
Schreiben Sie einen Satz auf, der mit „Nach diesem Kurs kann der Teilnehmer …“ beginnt. Der Rest des Satzes muss etwas beschreiben, das man beobachten kann. „Versteht die Grundlagen der Buchhaltung“ lässt sich schlecht beobachten. „Erstellt seine Umsatzsteuervoranmeldung selbst und reicht sie fristgerecht ein“ schon.
Dieser Satz ist der Maßstab für jede spätere Entscheidung. Jede Lektion, die nicht auf dieses Ergebnis einzahlt, gehört in einen anderen Kurs oder in einen Bonusbereich. Das Streichen tut weh, und es macht den Kurs kürzer, klarer und leichter zu verkaufen.
Eine Person vor Augen haben
Beschreiben Sie den Menschen, der den Kurs kauft, so genau wie möglich. Was weiß er schon? Was hat er bereits versucht? In welcher Situation sitzt er vor Ihrem Kurs, abends nach der Arbeit am Laptop oder morgens in der Bahn mit dem Telefon in der Hand?
Aus diesen Antworten ergibt sich, wo der Kurs beginnt und wie lang eine Lektion sein darf. Ein Einsteigerkurs, der mit Fachbegriffen startet, verliert viele Teilnehmer in der ersten Woche. Fortgeschrittene, die sich durch die Grundlagen klicken müssen, empfinden das als Zeitverschwendung und springen ab.
Vorhandenes Material sichten
Fast niemand fängt bei null an. Es gibt Vortragsfolien, Seminarunterlagen, Handouts, Blogartikel, aufgezeichnete Webinare und die Antworten auf Fragen, die Kunden immer wieder stellen. Legen Sie all das zusammen und sortieren Sie es entlang Ihres Ergebnissatzes. Dabei zeigt sich schnell, was doppelt vorhanden ist und wo Lücken sind.
Für diesen Schritt gibt es inzwischen gute Hilfe. Werkzeuge wie loox.red nehmen PDF-, Word- und PowerPoint-Dateien, Webseiten, YouTube-Links und Videos entgegen und schlagen daraus eine Gliederung mit Lektionen vor. Behandeln Sie einen solchen Vorschlag als Rohfassung. Die Reihenfolge, die Beispiele und die Frage, was wegfällt, bleiben Ihre Entscheidung, denn genau darin steckt Ihre Erfahrung.
Eine Lektion, ein Schritt
Gute Lektionen sind kurz und haben genau ein Ziel. Fünf bis zwölf Minuten Video oder eine Bildschirmseite Text reichen für fast jeden einzelnen Schritt. Längere Einheiten werden selten zu Ende angesehen, und wer mittendrin aufhört, findet beim nächsten Mal schwer wieder hinein.
Bewährt hat sich, jede Lektion mit einer kleinen Aufgabe zu beenden, die der Teilnehmer sofort umsetzen kann: eine Vorlage ausfüllen, eine Einstellung ändern, ein Gespräch führen. Wissen, das direkt angewendet wird, bleibt hängen, und der Teilnehmer erlebt nach jeder Lektion einen Fortschritt.
Das Format nach dem Inhalt wählen
Video ist das Format, an das alle zuerst denken, und es eignet sich besonders zum Zeigen: Handgriffe, Software, Gesprächssituationen. Zum Nachschlagen ist Text besser, weil man ihn überfliegen und durchsuchen kann. Audio passt zu allem, was man unterwegs hören kann, etwa Denkanstöße, Fallbeispiele oder Interviews.
Viele Teilnehmer schätzen es, wenn sie wählen dürfen. Früher bedeutete das die doppelte oder dreifache Produktionszeit. Heute lässt sich ein Teil davon automatisieren. loox.red erzeugt zum Beispiel zu jedem Modul Folien, einen Podcast und eine Videoübersicht, sodass Lernende lesen, ansehen oder zuhören können. Prüfen Sie solche Ergebnisse so gründlich wie Ihre eigenen Aufnahmen, denn Ihr Name steht darüber.
Lernerfolg prüfen, aber sparsam
Ein kurzer Wissens-Check am Ende eines Moduls hilft beiden Seiten. Der Teilnehmer merkt, ob er den Stoff verstanden hat, und Sie sehen, an welcher Stelle viele hängen bleiben. Drei bis fünf Fragen genügen. Wie viel von Fortschrittsbalken, Punkten und Zertifikaten Kursanbieter tatsächlich brauchen, haben wir in einem eigenen Beitrag über Lernpfade, Quiz und Zertifikate zusammengetragen.
Ton vor Bild
Bei der Technik lohnt sich das Geld zuerst beim Mikrofon. Ein Bild, das etwas zu dunkel ist, nehmen Zuschauer hin. Hall, Rauschen oder ein schwankender Pegel führen dagegen schnell zum Abbruch. Ein Ansteckmikrofon oder ein einfaches USB-Mikrofon in einem Raum mit Teppich, Vorhängen und Bücherregal bringt mehr als jede neue Kamera.
Für Bildschirmaufnahmen gilt: Schrift groß stellen, Benachrichtigungen ausschalten, die Maus langsam bewegen. Viele Teilnehmer schauen auf dem Telefon, und auch dort muss Ihr Bildschirm noch lesbar sein.
Rechtliches vor dem Verkaufsstart
Zwei Punkte werden besonders oft übersehen. Beim Widerrufsrecht für digitale Inhalte erlischt das Recht des Käufers nur, wenn er ausdrücklich zugestimmt hat, dass Sie vor Ablauf der Frist mit der Leistung beginnen, und wenn er bestätigt hat, dass er damit sein Widerrufsrecht verliert. Beides muss im Bestellablauf sauber abgefragt werden.
Der zweite Punkt ist das Fernunterrichtsschutzgesetz. Der Bundesgerichtshof hat im Juni 2025 entschieden, dass es auch bei Verträgen mit Unternehmern gilt. Kurse, die Wissen vermitteln und den Lernerfolg überwachen, brauchen dann eine Zulassung der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht. Als Überwachung kann schon genügen, dass Teilnehmer Ihnen Fragen zum Stoff stellen können. Fehlt die Zulassung, ist der Vertrag nichtig. Klären Sie deshalb vor dem Start, ob Ihr Kurs darunter fällt.
Erst eine kleine Runde, dann der große Start
Bevor Sie Werbung schalten, lassen Sie den Kurs von einer kleinen Gruppe durchlaufen. Fünf bis zehn Menschen aus Ihrer Zielgruppe, zu einem reduzierten Preis und mit der Bitte um ehrliche Rückmeldung. Beobachten Sie, wo sie aussteigen, welche Fragen sie stellen und welche Aufgaben liegen bleiben.
Diese Runde verändert fast jeden Kurs. Lektionen werden umgestellt, Erklärungen ergänzt, manches fällt weg. Außerdem bekommen Sie die ersten Stimmen echter Teilnehmer, und die überzeugen später mehr als jeder Werbetext.
Erst danach lohnt sich die Frage, auf welcher Plattform der Kurs dauerhaft laufen soll. Worauf wir dabei achten, steht in unserer Prüfliste für Mitgliederbereiche.
In eigener Sache
Charming Media ist an loox.red beteiligt. Die Schritte in diesem Beitrag gelten unabhängig davon für jedes Werkzeug, mit dem Sie einen Kurs aufbauen.
