Auf Content-Portalen sind Galerien kein Schmuck, sondern Tagesgeschäft: die Bildstrecke im Artikel, die Logoleiste mit Referenzen unter dem Titel, der Slider auf der Startseite. Genauso alltäglich ist das Werkzeug dahinter, und genau dort liegt das Problem. Die verbreiteten Galerie-Plugins für WordPress stammen aus einer Zeit, in der man Funktionen sammelte wie Briefmarken, und sie liefern ihr gesamtes Gepäck auf jeder Seite aus, auch dort, wo nur drei Logos nebeneinanderstehen sollen. Wer die Ladezeit eines Portals ernsthaft untersucht, findet unter den größten Posten erstaunlich oft: die Galerie.

Warum Galerie-Plugins so schwer geworden sind

Die Erklärung ist unspektakulär. Die großen Galerie-Plugins sind über Jahre zu Plattformen gewachsen: eingebaute Bildbearbeitung, eigene Verkaufsmodule, Seitenbau-Funktionen, dazu Kompatibilitätsschichten für ein Jahrzehnt an Altinstallationen. Jede dieser Funktionen hat ihre Berechtigung für irgendjemanden, aber ein Portal, das Bildstrecken zeigen will, bezahlt sie alle mit: mit JavaScript-Paketen im Megabyte-Bereich, mit zusätzlichen Datenbank-Strukturen und mit einem Frontend, das schon arbeitet, bevor der Leser das erste Bild gesehen hat. Für eine Redaktion ist das eine stille Steuer auf jeden einzelnen Seitenaufruf.

Der Gegenentwurf: unter sieben Kilobyte

Seit dieser Woche ist ein Gegenentwurf spruchreif, und er kommt aus unserem eigenen Haus: Heckgalerie, das Galerie-Plugin der Hafenstudios-Flotte. Die wichtigste Kennzahl ist ein Budget, das sich das Plugin selbst auferlegt: Sämtliche Frontend-Dateien zusammen, Stylesheet und JavaScript für alle Darstellungsformen, bleiben unter sieben Kilobyte in komprimierter Form. Möglich wird das durch konsequentes Weglassen. Heckgalerie bearbeitet keine Bilder, verkauft nichts und baut keine Seiten; Bilder verwaltet die WordPress-Mediathek, die dafür ohnehin das bessere Werkzeug ist. Übrig bleibt das, was ein Portal tatsächlich braucht: Logoleisten in vier Varianten, darunter ein durchlaufendes Band, Bildergalerien in fünf Vorlagen, drei Slider und Alben, die mehrere Galerien unter Deckblättern bündeln.

Für Redaktionen bemerkenswert ist die Behandlung von Video. Der übliche YouTube-Einbau nimmt schon beim Seitenaufruf Kontakt zu Google auf, was datenschutzrechtlich mindestens Erklärungsbedarf erzeugt. Heckgalerie lädt stattdessen zunächst nur ein Vorschaubild, das der eigene Server einmalig beim Speichern der Galerie geholt hat. Die Verbindung zu YouTube entsteht erst, wenn der Besucher ausdrücklich auf Abspielen klickt. Auch an anderer Stelle ist Zurückhaltung eingebaut: Die optionale Anzeige von Aufnahmedaten unter Fotos arbeitet mit einer festen Liste erlaubter Felder und gibt Standortdaten grundsätzlich nicht aus, und Besucher, die in ihrem System reduzierte Bewegung eingestellt haben, bekommen statt des Laufbands automatisch die ruhige Darstellung.

Wie das in der Praxis aussieht

Sehen kann man das bereits, denn das Plugin läuft produktiv, bevor es offiziell erscheint: Die Presselogo-Leiste auf horstwenzel.com und das Logo-Raster auf boeasy.de werden beide von Heckgalerie gerendert, einmal als durchlaufendes Band, einmal als ruhiges Raster. Beides sind gewöhnliche WordPress-Installationen ohne Sonderbehandlung.

Einordnung und Grenzen

Heckgalerie ist kein Ersatz für eine Bildagentur-Software und will es nicht sein. Wer Bildbearbeitung im Backend, Verkaufsfunktionen oder Wasserzeichen-Workflows braucht, bleibt bei den großen Plattformen besser aufgehoben, inklusive ihres Gewichts. Für den Umstieg von dort bringt Heckgalerie einen Import-Assistenten mit, der bestehende NextGEN-Galerien übernimmt. Offiziell erhältlich ist das Plugin noch nicht: Es ist fertig entwickelt und getestet, Produktseite und Preise sind in Vorbereitung. Die ausführliche Vorstellung mit allen Funktionen und dem Stand der Veröffentlichung findet sich im Beitrag Heckgalerie: Galerien für WordPress, die keine 2 MB JavaScript mitbringen im hafenstudios-Blog.

In eigener Sache

Heckgalerie stammt von hafenstudios, dem WordPress-Studio von Horst Wenzel in Hamburg, und hinter hafenstudios und Charming Media steht derselbe Betreiber. Dieser Beitrag ist also keine unabhängige Testbesprechung, sondern die Vorstellung eines eigenen Produkts, und wir kennzeichnen das lieber deutlich, als es zu verschweigen. Die beschriebene Ausgangslage halten wir trotzdem für berichtenswert, weil sie im Portalbetrieb ständig vorkommt: gewachsene Websites, deren Ladezeit an Werkzeugen hängt, die längst mehr können, als je gebraucht wurde. Wer das Plugin bewerten will, sollte es an der eigenen Seite messen und nicht an diesem Text.


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