Wenn ein Kunde eine zweite Sprache möchte, führt das Gespräch fast immer sofort zur Technik. Welches Plugin, welche Adressstruktur, maschinelle Übersetzung oder nicht. Diese Fragen sind alle beantwortbar, und sie sind alle zweitrangig.

Die erste Frage lautet: Wer schreibt in zwei Jahren den nächsten Beitrag auf Englisch, und wann.

Der Zustand, den niemand plant

Das häufigste Ergebnis einer Zweisprachigkeit ist weder eine gute noch eine schlechte englische Seite. Es ist eine halbe. Die Startseite ist übersetzt, die Leistungsseiten sind übersetzt, der Blog hat drei englische Beiträge aus dem Startjahr und siebzig deutsche seitdem.

Für den Besucher entsteht damit ein unangenehmer Eindruck. Er klickt sich durch eine englische Seite und landet plötzlich auf deutschem Text. Das wirkt nicht international, sondern unfertig, und zwar deutlicher als eine Seite, die von vornherein nur eine Sprache hat.

Für die Suchmaschine entsteht ein zweites Problem. Sie bewertet nicht die Sprachfassung, sondern die Domain als Ganzes. Eine große Menge dünner, halb gepflegter Unterseiten hilft dabei nicht.

Die Rechnung, die vorher aufzumachen ist

Nehmen Sie die Zahl der Seiten, die dauerhaft gepflegt werden müssen. Nicht alle Seiten, sondern die, die sich ändern: Leistungen, Preise, Team, Beiträge.

Multiplizieren Sie mit der Zahl der Sprachen. Das ist Ihr laufender redaktioneller Aufwand, und er fällt jedes Jahr an, nicht einmal beim Aufbau.

Und dann beantworten Sie die einzige Frage, die zählt: Ist im Haus jemand, der Englisch auf dem Niveau schreibt, auf dem Sie Deutsch schreiben? Nicht versteht, nicht liest, sondern schreibt. Falls nein, ist die zweite Sprache ein dauerhafter Einkaufsposten, und dann gehört sie budgetiert wie Hosting.

Der Zuschnitt, der fast immer besser ist

Wir raten Kunden inzwischen selten zur vollständigen Übersetzung und häufig zu einem klar begrenzten englischen Bereich.

Das sind fünf bis zehn Seiten: worum es geht, was Sie anbieten, für wen, was es kostet, wie man Sie erreicht. Vollständig, sorgfältig, ohne Verweise ins Deutsche. Der Blog bleibt einsprachig, und im englischen Bereich steht ein ehrlicher Satz, dass das Magazin auf Deutsch erscheint.

Das ist keine Notlösung, sondern in den meisten Fällen die bessere Seite. Zehn gepflegte englische Seiten schlagen achtzig halbe. Und der Aufwand ist so klein, dass er tatsächlich geleistet wird, was von der Vollfassung selten gilt.

Maschinelle Übersetzung, nüchtern betrachtet

Die Qualität maschineller Übersetzung ist heute für Sachtexte gut. Für Werbetexte ist sie es nicht, und der Unterschied ist systematisch: Übersetzt wird der Inhalt, nicht die Wirkung. Ein Satz, der auf Deutsch pointiert ist, wird auf Englisch korrekt und flach.

Praktisch bewährt hat sich bei uns eine Arbeitsteilung. Maschinell übersetzen, was informiert: Anleitungen, Beschreibungen, rechtliche Texte. Von Hand schreiben, was verkauft: Startseite, Leistungsseiten, alles mit einer Aufforderung am Ende.

Und in jedem Fall gegenlesen lassen, von einem Menschen, der die Sprache wirklich spricht. Der Aufwand dafür ist gering, weil Korrektur schneller geht als Übersetzung, und er verhindert die eine peinliche Formulierung, die sonst zwei Jahre auf der Seite steht.

Was die Technik dann noch klären muss

Wenn die redaktionelle Frage geklärt ist, wird die technische klein. Drei Punkte bleiben.

Die Adressstruktur: Unterverzeichnisse wie /en/ sind für die meisten Fälle richtig, weil die Domain ihre Stärke behält. Eigene Länderdomains lohnen sich erst, wenn es wirklich eigene Märkte mit eigenen Angeboten sind.

Die Sprachauszeichnung: Jede Seite muss angeben, in welcher Sprache sie ist und wo ihre Entsprechungen liegen. Das ist der Teil, den Suchmaschinen brauchen, und der Teil, den halbfertige Aufbauten falsch machen.

Die Umleitung: Besucher automatisch nach ihrer Browsersprache umzuleiten, klingt zuvorkommend und ist eine der zuverlässigsten Quellen für Ärger. Ein deutschsprachiger Besucher im Ausland landet dann auf Englisch, und Suchmaschinen sehen unter Umständen nur eine Fassung. Bieten Sie einen sichtbaren Wechsel an und leiten Sie niemanden um.

Für die Umsetzung in WordPress setzen wir Wimpel ein, das Mehrsprachigkeit als redaktionelle Aufgabe behandelt und den Übersetzungsstand sichtbar macht, statt ihn zu verstecken. Genau dieser Punkt, zu sehen, was noch fehlt, ist im Alltag mehr wert als jede Funktionsliste.

Die eine Sache, die Sie vorher festlegen sollten

Schreiben Sie auf, welche Seiten zweisprachig sein müssen, und schreiben Sie dazu, welche es ausdrücklich nicht sein sollen. Dieser zweite Teil ist der wichtigere. Ohne ihn wächst die Liste, bis niemand mehr hinterherkommt, und dann steht die halbe Seite da, von der oben die Rede war.

In eigener Sache

Hinter Charming Media und hafenstudios steht derselbe Betreiber, Wimpel ist ein eigenes Produkt. Die Empfehlung zum begrenzten Sprachbereich geht gegen unser eigenes Verkaufsinteresse, wir halten sie trotzdem für richtig.