Die Flirt University ist ein Coachingprogramm für Männer, das seit Jahren läuft und dessen Mitgliederbereich wir neu gebaut haben. Der Beitrag beschreibt die Entscheidungen, die dabei anfielen, weil sie sich auf andere Programme übertragen lassen, deren Erfolg außerhalb des Bildschirms stattfindet.

Das ist die eigentliche Besonderheit dieses Falls und der Grund, warum wir ihn hier aufschreiben. Bei den meisten Onlinekursen ist der Erfolg gleich dem Durcharbeiten. Hier ist er es ausdrücklich nicht: Wer alle Lektionen gesehen und nie mit einem Menschen gesprochen hat, hat nichts erreicht.

Die Entscheidung, die alles andere bestimmt hat

Übliche Kurssysteme bauen eine Lektion um ihren Inhalt: ein Video, darunter Text, am Ende ein Häkchen für erledigt. Wer das Video gesehen hat, ist fertig.

Diesen Aufbau haben wir umgedreht. Jede Lektion beginnt mit einer Aufforderung zu einer konkreten Handlung, und diese Aufforderung steht zweimal auf der Seite: oben als Auftrag, unten als abzuhakendes Ergebnis. Eine Lektion gilt erst dann als abgeschlossen, wenn nicht nur der Stoff durchgegangen, sondern auch die Handlung erledigt und bestätigt ist.

Ein Beispiel für das Prinzip: Oben steht „Melde dich zu einem Workshop an“, unten in der Liste steht „Meine Workshop-Bestätigung erhalten“. Das ist derselbe Vorgang, einmal als Auftrag und einmal als Vollzug.

Der Unterschied zum üblichen Aufbau ist klein im Markup und groß in der Wirkung. Das System kann nicht mehr abgeschlossen werden, indem man scrollt.

Was das für den Fortschritt bedeutet

Daraus ergab sich eine Regel, über die wir länger gestritten haben: Alle Haken gesetzt bedeutet automatisch, dass die Lektion erledigt ist. Es gibt keinen zusätzlichen Knopf.

Und einen Haken wieder zu entfernen setzt die Lektion nicht zurück. Das ist bewusst unsymmetrisch. Wer versehentlich klickt, soll seinen Fortschritt nicht verlieren, und wer schummeln will, kann das auch mit einem zusätzlichen Knopf. Systeme, die den Nutzer wie einen Gegner behandeln, kosten mehr an Frust, als sie an Ehrlichkeit gewinnen.

Das Element, das es sonst nirgends gibt

Am Anfang jeder Lektion steht kein Video, sondern ein Sprachtrainer. Die Teilnehmer üben ein Gespräch, indem sie sprechen und eine Antwort hören, in Echtzeit. Das Werkzeug heißt Sirene und ist eine eigene Anwendung, die im Mitgliederbereich eingebettet ist.

Der Grund für diesen Aufwand ist inhaltlich. In einem Programm, in dem es um Gespräche geht, ist Lesen über Gespräche die schwächste Form der Übung. Wer das Gespräch selbst führen kann, ohne dass etwas auf dem Spiel steht, kommt weiter.

Die technische Entscheidung dahinter war, die Anwendung nicht in WordPress hineinzubauen, sondern eigenständig zu halten und mit einer sicheren Anmeldung zu verbinden. Der Grund ist Nüchternheit: Eine Sprachanwendung mit Echtzeitverarbeitung hat andere Anforderungen an Rechenleistung und Reaktionszeit als eine Website. Beides in dieselbe Installation zu zwingen, hätte beiden geschadet.

Warum der Mitgliederbereich dunkel ist

Die Gestaltung war eine bewusste Abkehr vom üblichen Kurslayout. Der Bereich sieht aus wie eine Anwendung, nicht wie eine Website mit Schutz davor: dunkler Grund, ruhige Flächen, deutliche Fortschrittsanzeigen, kein Marketing.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und der, den wir am häufigsten korrigieren müssen. Sobald jemand bezahlt hat, hat Werbung in seinem Bereich nichts mehr zu suchen. Kein Menü zu den Verkaufsseiten, keine Kaufaufforderungen, keine Preisliste. Wer zahlender Kunde ist und trotzdem weiter beworben wird, fühlt sich nicht als Mitglied, sondern als Zielgruppe.

Technisch bedeutete das, den gesamten Marketingteil der Website auf den Seiten des Mitgliederbereichs auszublenden. Dabei gab es eine Falle, die wir hier gern weitergeben: Blendet man das Menü zu großzügig aus, verschwindet auch das Fußmenü, und darin steht das Impressum. Das ist ein Fehler, der leicht passiert und rechtlich unangenehm ist.

Die Farbe hat die Community entschieden

Bei der Farbgebung sind wir einen Weg gegangen, der sich bewährt hat: Wir haben mehrere fertige Entwürfe erstellt und die aktive Community darüber abstimmen lassen, statt intern zu entscheiden.

Der Gewinner war nicht der Entwurf, auf den wir gesetzt hatten. Das ist der eigentliche Wert des Verfahrens. Und es hat einen Nebeneffekt, den wir unterschätzt hatten: Wer über das Aussehen mit abgestimmt hat, kommt sich den neuen Bereich ansehen.

Was wir daraus mitnehmen

Drei Dinge, die für andere Programme gelten.

Erstens: Definieren Sie, was Abschluss bedeutet, bevor Sie das System auswählen. Wenn Abschluss eine Handlung außerhalb des Kurses ist, kann kein Standardsystem das ohne Anpassung abbilden, und Sie merken es zu spät.

Zweitens: Trennen Sie Verkaufen und Ausliefern auch in der Gestaltung, nicht nur in der Technik.

Drittens: Die aufwendigste Einzelentscheidung war nicht die Technik, sondern der Aufbau einer einzelnen Lektion. Diese Struktur wird hundertfach wiederholt. Eine Woche mehr Nachdenken darüber ist besser angelegt als jede Funktion.

In eigener Sache

Hinter Charming Media, hafenstudios und der Flirt University steht derselbe Betreiber. Das ist also kein Kundenprojekt, sondern ein eigenes, und der Bericht ist entsprechend nicht neutral. Der Mitgliederbereich läuft auf dem eigenen Plugin MemberJet, der Sprachtrainer ist eine eigene Entwicklung. Wir schreiben das auf, weil Werkstattberichte zu Mitgliederbereichen selten sind und meistens erst erscheinen, wenn alles funktioniert hat.