Für ein Content-Portal ist die zweite Sprache rechnerisch die günstigste Reichweitenerweiterung, die es gibt: Die Inhalte sind bezahlt, die Recherche ist gemacht, die Struktur steht. Trotzdem bleiben die allermeisten deutschsprachigen Magazine einsprachig. Das liegt in der Praxis selten am Übersetzen. Es liegt daran, was die verfügbaren Werkzeuge mit der Website anstellen. Seit dieser Woche gibt es dafür ein Werkzeug mehr, und es kommt aus unserem eigenen Haus: Wimpel, Version 1.0.

Der zweite Sprachmarkt scheitert selten an der Übersetzung

Wer sich einmal durch die Mehrsprachigkeits-Landschaft von WordPress gearbeitet hat, kennt die zwei Lager. Das eine greift tief in die Website ein, mit eigenen Tabellen, veränderten Permalink-Regeln und einem Übersetzungseditor neben dem normalen Editor. Das funktioniert, bindet die Website aber dauerhaft an das Plugin. Das andere Lager schickt die Seite durch einen fremden Dienst, der die Übersetzungen vorhält und monatlich nach Wortbestand abrechnet. Auch das funktioniert, nur mietet man dabei den eigenen Inhalt.

Für eine Redaktion ist beides unangenehm, weil beide Ansätze dieselbe Annahme treffen: dass eine Übersetzung etwas grundsätzlich anderes sei als ein Artikel. In der täglichen Arbeit ist sie das nicht. Eine englische Fassung wird redigiert, sie bekommt ein anderes Beispiel, einen anderen Aufhänger, manchmal einen anderen Titel, und irgendwann eine Aktualisierung, die es im deutschen Original nie gegeben hat. Ein Werkzeug, das diese Fassung in einer Sonderstruktur wegsperrt, arbeitet gegen den Redaktionsalltag.

Was Wimpel macht, und was bewusst nicht

Wimpel dreht die Annahme um. Eine Übersetzung ist hier ein ganz normaler Beitrag mit eigenem Permalink, im normalen Editor, in der normalen Beitragsliste. Das Plugin merkt sich lediglich, welche Sprache ein Beitrag hat und welche Beiträge zusammengehören. Aus dieser Verknüpfung entsteht das, was Suchmaschinen brauchen: eine hreflang-Auszeichnung, die bidirektional ist, x-default und Selbstreferenz setzt und erst ab zwei veröffentlichten Fassungen überhaupt ausgegeben wird, dazu ein Sprachumschalter als Block oder Shortcode, der bei fehlender Übersetzung nicht ins Leere führt.

Was daraus folgt, ist für Betreiber wichtiger als jede Funktionsliste: keine Rewrite-Regeln, keine Schattentabellen, kein Proxy vor der Seite. Wird Wimpel deinstalliert, bleiben sämtliche Inhalte stehen, weil es eben normale Beiträge sind. Umgekehrt legt Wimpel auch keine /en/-Adressen von selbst an, und Menüs, Kategorien und Theme-Texte fasst es nicht an. Wer das erwartet, sollte es vorher wissen; die Produktseite benennt diese Grenzen ausdrücklich.

Die Kostenfrage bekommt eine Zahl statt einer Ahnung

Der Teil, der die Sache für Portale mit einigen hundert Bestandsbeiträgen erst interessant macht, ist der Markt-Assistent. Er scannt die gewählten Inhaltstypen, zählt Wörter und zeigt vor dem Start eine Kostenschätzung samt oberer Kante. Erst nach ausdrücklicher Bestätigung geht der erste Text hinaus, und der Lauf überschreitet das bestätigte Budget nicht. Das ist ein kleiner Unterschied im Ablauf und ein großer in der Planbarkeit, denn die übliche Antwort auf die Frage „was kostet es, das Archiv zu übersetzen“ lautet sonst: kommt darauf an.

Die KI-Übersetzung läuft über den eigenen Anbieter-Zugang. Man hinterlegt den eigenen Schlüssel und rechnet die Nutzung direkt mit dem Anbieter ab, statt Wortkontingente zu mieten. Das Ergebnis landet ausnahmslos als Entwurf in der Beitragsliste. Eine automatische Veröffentlichung gibt es nicht, auch nicht als Einstellung. Für eine Redaktion ist genau das der entscheidende Punkt: Die Maschine liefert die Rohfassung, die Freigabe bleibt beim Menschen.

Der Punkt, den Übersetzung allein nicht löst

Interessant wird es nach der Übersetzung. Ein Satz kann sprachlich einwandfrei sein und im Zielmarkt trotzdem nicht stimmen: die 14-tägige Widerrufsfrist, der Bruttopreis mit Umsatzsteuer, die Maßeinheit, der beiläufige Bezug auf den Heimatmarkt. Wimpel schaut deshalb ein zweites Mal hin und hinterlegt am übersetzten Beitrag Hinweise, wo eine Eins-zu-eins-Übernahme fragwürdig wirkt. Umgeschrieben wird dabei nichts, und jeder Hinweis trägt den Zusatz, dass es sich um redaktionelle Aufmerksamkeitsfragen handelt und nicht um Rechtsberatung. Warum diese Lücke systematisch entsteht und kein Qualitätsproblem des Übersetzungsmodells ist, beschreibt der Fachbeitrag Eine Sprache ist ein Markt im Detail.

Preis, Grenzen und Bezug

Wimpel kostet 59 Euro pro Jahr für eine Website und 149 Euro pro Jahr für bis zu zehn Websites, jeweils netto. Eine dauerhaft kostenlose Version gibt es nicht, dafür 14 Tage Test ohne Zahlungsdaten. Die KI-Nutzung selbst ist im Preis nicht enthalten, weil sie über den eigenen Anbieter-Zugang läuft. Wer prüfen möchte, ob das zum eigenen Setup passt, findet die Funktionsübersicht, die genannten Grenzen und die häufigen Fragen auf der Wimpel-Produktseite.

In eigener Sache

Wimpel stammt von hafenstudios, dem WordPress-Studio von Horst Wenzel in Hamburg, und hinter hafenstudios und Charming Media steht derselbe Betreiber. Dieser Beitrag ist damit keine unabhängige Testbesprechung, sondern die Vorstellung eines eigenen Produkts, und wir kennzeichnen das lieber deutlich, als es zu verschweigen. Nützlich finden wir die Einordnung trotzdem, weil die beschriebene Ausgangslage in unserer Arbeit ständig vorkommt: ein deutschsprachiges Portal mit gewachsenem Bestand, ein zweiter Markt im Blick und die Frage, was das mit der Website macht. Wer das Werkzeug bewerten will, sollte es an der eigenen Seite messen und nicht an diesem Text.


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