Warum wir uns für JobChamp entschieden haben

Es gibt Momente im Arbeitsleben, die über viel Geld und viel Sicherheit entscheiden, und für die trotzdem kaum jemand vorbereitet ist. Das Gespräch, in dem es um die nächste Gehaltsstufe geht. Der Brief vom Arbeitgeber, der eine Abmahnung oder eine Kündigung enthält. Das Arbeitszeugnis, das freundlich klingt und in Wahrheit eine schlechte Note transportiert. Genau für diese Momente ist JobChamp gebaut worden, und Charming Media ist als Vertriebspartner an diesem Start beteiligt. Diesen Beitrag nutzen wir, um zu erklären, welches Problem JobChamp löst, wie die Lösung konkret aussieht und warum wir überzeugt sind, dass hier etwas Sinnvolles entstanden ist.

Das Problem: Beschäftigte gehen unvorbereitet in Gespräche, die zählen

Wer ein Vorstellungsgespräch vor sich hat, übt vorher. Wer eine Prüfung ablegt, lernt vorher. Aber wer ein Gehaltsgespräch, ein Personalgespräch oder ein Gespräch über die eigene Beförderung vor sich hat, geht in aller Regel unvorbereitet hinein und hofft, dass die richtigen Worte im richtigen Moment kommen. Das ist riskant, denn genau in diesen Gesprächen wird über reales Geld verhandelt, oft über Jahre hinweg.

Ähnlich sieht es bei schriftlichen Dokumenten aus. Ein Arbeitszeugnis ist in einer Fachsprache verfasst, die auf den ersten Blick wohlwollend wirkt, in Wahrheit aber codiert ist. Der Satz „er war stets bemüht“ liest sich harmlos, steht in der gängigen Zeugnissprache aber für die Note mangelhaft. Wer das nicht weiß, unterschreibt ein schlechtes Zeugnis, ohne es zu merken, und trägt diese Note in jede folgende Bewerbung.

Noch dringlicher wird es, wenn Post vom Arbeitgeber kommt: eine Abmahnung, eine Kündigung, ein Aufhebungsvertrag. Hier zählt buchstäblich jeder Tag. Wer sich gegen eine Kündigung wehren will, muss die Kündigungsschutzklage nach § 4 Kündigungsschutzgesetz innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung einreichen. Verstreicht diese Frist, gilt die Kündigung in aller Regel als wirksam, unabhängig davon, ob sie es eigentlich gewesen wäre. Diese Frist ist in der Bevölkerung erstaunlich wenig bekannt, und genau diese Wissenslücke kann sehr teuer werden.

Ein ähnlich unterschätztes Risiko steckt im Aufhebungsvertrag. Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, ohne die möglichen Folgen für das Arbeitslosengeld zu kennen, riskiert eine Sperrzeit bei der Agentur für Arbeit, weil das Arbeitsverhältnis formal selbst beendet wurde. Auch hier gilt: Das Dokument liegt oft nur wenige Tage zur Prüfung vor, und die Entscheidung, ob und wie unterschrieben wird, kann direkte finanzielle Folgen über Monate haben.

Die Lösung: JobChamp als Coach in der eigenen Ecke

JobChamp ist als App für Angestellte konzipiert, die sich konsequent auf die Seite der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers stellt. Statt mit einer klassischen Liste aus Funktionen zu starten, orientiert sich die App an konkreten Anlässen: Was ist gerade los? Steht ein Gespräch bevor? Ist ein Zeugnis eingetroffen? Liegt ein beunruhigender Brief auf dem Tisch? Aus jedem Anlass führt die App über eine kurze Strecke: einordnen, vorbereiten, üben und am Ende einen konkreten nächsten Schritt vorschlagen.

Kern der App sind KI-gestützte Rollenspiele: Nutzerinnen und Nutzer üben Gehaltsverhandlungen, Personalgespräche, Beförderungsgespräche und Bewerbungsinterviews gegen eine simulierte Gegenseite, so oft, wie sie wollen, bevor das echte Gespräch stattfindet. Das ist der zentrale Unterschied zu einem Ratgeberartikel, der erklärt, welche Argumente man vorbringen könnte: Wer ein Gespräch tatsächlich einmal durchgespielt hat, geht mit einem völlig anderen Sicherheitsgefühl in die echte Situation.

Ergänzt wird das Training durch mehrere Analyse-Werkzeuge. Der Arbeitszeugnis-Decoder übersetzt die codierte Zeugnissprache und ordnet Formulierungen wie das eingangs genannte „stets bemüht“ ihrer tatsächlichen Notenstufe zu. Wer einen belastenden Brief erhalten hat, kann Abmahnung oder Kündigung einordnen lassen, inklusive einer Fristenampel nach § 4 Kündigungsschutzgesetz, die genau anzeigt, wie viele Tage der Drei-Wochen-Frist noch verbleiben. Dazu kommen eine Klausel-Ampel für Arbeitsverträge, die typische Fallen wie Ausschlussfristen oder Überstundenklauseln markiert, sowie ein Bewerbungscheck für den Fall, dass der nächste Schritt woanders liegt.

Abgerundet wird das Angebot durch Alltagswerkzeuge: einen Urlaubs- und Überstundenrechner, ein digitales Arbeitstagebuch für die laufende Dokumentation, ein geführtes Gedächtnisprotokoll nach wichtigen Gesprächen sowie einen Gewerkschafts-Finder, der die passende Interessenvertretung nach Branche und Beruf vorschlägt.

Wie JobChamp technisch gebaut ist

Unter der Haube läuft JobChamp als React-basierte Progressive Web App mit einem PHP- und MySQL-Backend. Die KI-gestützten Rollenspiele und Dokumentenanalysen greifen auf die Claude-API zu. Als PWA lässt sich JobChamp direkt aus dem Browser installieren, ohne den Umweg über einen App Store, was sowohl den Einstieg vereinfacht als auch Push-Benachrichtigungen erlaubt, etwa für den erwähnten Fristenalarm bei einer laufenden Kündigungsschutzfrist.

Datenschutz anders gedacht: Anonymisierung vor der KI

Wer ein Arbeitszeugnis, eine Abmahnung oder einen Arbeitsvertrag hochlädt, gibt naturgemäß sensible Informationen preis: Namen, Firmen, mitunter Details aus einem Konflikt. JobChamp begegnet dem, indem jedes Dokument vor jeder KI-Analyse anonymisiert wird, bevor überhaupt eine Anfrage an die KI gestellt wird. Die Original-Dokumente selbst werden nicht gespeichert. Die Server, auf denen die App läuft, stehen in Deutschland. Diese Reihenfolge, erst anonymisieren, dann analysieren, ist bewusst so gewählt und keine nachträgliche Ergänzung.

Wichtig ist uns dabei auch die klare Grenze der App: JobChamp ersetzt ausdrücklich keine Rechtsberatung. Die App bietet Orientierung und Training, keine rechtsverbindliche Einschätzung. An den Stellen, an denen eine Situation über das hinausgeht, was Training und Einordnung leisten können, verweist die App aktiv auf Gewerkschaft oder Rechtsschutzversicherung. Diese Ehrlichkeit an der eigenen Grenze halten wir für einen wesentlichen Teil der Glaubwürdigkeit des Produkts.

Woher JobChamp kommt

JobChamp ist keine Idee auf dem Reißbrett, sondern aus der Praxis von vorstellig.de gewachsen, einer bereits bestehenden Anwendung für Bewerbungsanalyse und Interviewtraining, die unter anderem bei einem Bildungsträger im Einsatz ist. Aus dem dort erprobten Prinzip des geführten Rollenspiel-Trainings ist mit JobChamp eine eigenständige App entstanden, die dieses Trainingsprinzip auf die gesamte Bandbreite der Arbeitnehmer-Anlässe ausweitet: nicht nur die Bewerbung, sondern das gesamte Arbeitsleben von der Gehaltsverhandlung bis zur Kündigung.

Das Geschäftsmodell: kostenlos starten, fair upgraden

JobChamp ist kostenlos nutzbar und beinhaltet drei KI-Analysen ohne Kosten. Wer die App darüber hinaus regelmäßig nutzen möchte, kann auf Champ Premium upgraden, für 7,99 Euro im Monat oder 59 Euro im Jahr. Daneben gibt es ein zweites Modell, das speziell auf Organisationen zielt: Gewerkschaften und Transfergesellschaften können Freischalt-Codes für Champ Premium erwerben und über ihre eigenen Kanäle an Mitglieder beziehungsweise Teilnehmende verteilen. Für diese ist die App dann kostenfrei nutzbar, finanziert über die jeweilige Organisation. Dieses Modell wird häufig als B2B2C bezeichnet: Das Unternehmen verkauft an eine Organisation, die Organisation gibt den Nutzen an ihre Mitglieder weiter.

Die Gewerkschafts-Vision

Der langfristig interessanteste Teil dieses Modells liegt in der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Transfergesellschaften. JobChamp versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zur gewerkschaftlichen Rechtsberatung, sondern als vorgelagerte Orientierungs- und Trainingsschicht: die App bereitet vor, übt und ordnet ein, und übergibt an der richtigen Stelle an die Gewerkschaft, wenn echte Rechtsberatung gefragt ist. Für Transfergesellschaften wiederum kann die Bewerbungs-Suite der App, die aus vorstellig.de übernommen wurde, direkt in bestehende Vermittlungsprozesse einfließen. Wie tragfähig dieses Modell in der Breite ist, wird sich mit der Zeit zeigen. Die Grundüberlegung ist bewusst bottom-up gedacht: Erst sollen Beschäftigte die App aus eigenem Antrieb nutzen wollen, danach folgt das Interesse der Organisationen, nicht umgekehrt.

Bottom-up statt top-down

Diese Reihenfolge ist kein Zufall, sondern eine bewusste strategische Entscheidung. Viele Angebote für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden top-down gedacht: Eine Organisation entscheidet sich für ein Werkzeug, und die Mitglieder bekommen es anschließend zur Verfügung gestellt, ob sie es wollen oder nicht. JobChamp geht den umgekehrten Weg. Die App muss zunächst aus sich selbst heraus überzeugen, mit einem kostenlosen Einstieg, der echten Nutzen bietet, bevor überhaupt eine Organisation ins Spiel kommt. Erst wenn Beschäftigte die App von sich aus nutzen und schätzen, entsteht die Nachfrage, die eine Gewerkschaft oder Transfergesellschaft dazu bewegt, Freischalt-Codes für ihre Mitglieder zu beschaffen. Diese Reihenfolge ist aufwendiger als der umgekehrte Weg über eine einzelne Vertriebsentscheidung, aber aus unserer Sicht tragfähiger, weil sie auf tatsächlicher Nutzung statt auf einer Beschaffungsentscheidung von oben beruht.

Ausblick

JobChamp ist gestartet, und wie bei jedem Launch gilt: Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt, im laufenden Betrieb, im Austausch mit den ersten Nutzerinnen und Nutzern, in der schrittweisen Erweiterung um weitere Anlässe und Werkzeuge. Als Vertriebspartner begleiten wir diesen Weg und werden an dieser Stelle über wesentliche Entwicklungen berichten.

Über die Zusammenarbeit

JobChamp wird von hafenstudios (Horst Wenzel) betrieben und verantwortet. Charming Media UG (haftungsbeschränkt), Im Mediapark 5, Köln, ist Vertriebspartner von JobChamp und unterstützt den Vertrieb der App. Für uns als Vertriebspartner war ausschlaggebend, dass JobChamp ein Produkt ist, das sich klar auf eine Seite stellt, die der Beschäftigten, und diese Position auch bei der Umsetzung durchhält: von der Anonymisierung vor jeder KI-Analyse bis zur offenen Grenzziehung, wo Training aufhört und Rechtsberatung anfängt. Ein Produkt, das ehrlich sagt, was es kann und was nicht, lässt sich aus unserer Sicht auch glaubwürdiger vertreiben als eines, das mehr verspricht, als es hält.

Wer mehr über JobChamp erfahren möchte, findet alle Werkzeuge und weiterführende Informationen unter jobchamp.app.

Kategorien: Magazin

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