Es gibt einen Satz, den wir in Übergabegesprächen häufiger hören als jeden anderen: „Die Seite können wir selbst pflegen.“ Gemeint ist damit fast immer ein Page Builder, also ein Werkzeug, mit dem sich Seiten per Maus zusammensetzen lassen. Der Satz stimmt am Tag der Übergabe. Nach drei Jahren stimmt er selten noch.
Wir bauen Kundenprojekte seit einiger Zeit ohne diese Werkzeuge. Das ist keine Glaubensfrage und auch kein Vorwurf an die Hersteller. Es ist das Ergebnis davon, dass wir mehrere solcher Seiten übernommen und danach wieder verlassen haben.
Was ein Page Builder mit Ihren Inhalten macht
Der entscheidende Punkt liegt darin, wie die Inhalte gespeichert werden. Ein Page Builder legt in der Datenbank nicht Ihren Text ab, sondern eine Beschreibung des Aufbaus, in der Ihr Text eingebettet ist, zusammen mit Angaben zu Abständen, Farben, Spalten und Animationen.
Solange das Werkzeug installiert ist, sieht der Besucher eine Seite. Wird es deaktiviert, sieht er den Bauplan. Nicht eine schlechter aussehende Seite, sondern eine Wand aus eckigen Klammern.
Das ist die eigentliche Bindung, und sie ist stärker als jede Vertragslaufzeit. Sie können den Anbieter nicht wechseln, ohne jede Seite neu zu bauen. Bei einer Firmenwebsite mit vierzig Seiten ist das ein Projekt, kein Nachmittag.
Der zweite Preis: Ladezeit
Page Builder liefern ihre Fähigkeiten als Programmcode und Gestaltungsanweisungen an jeden Besucher aus, unabhängig davon, welche Fähigkeiten die aufgerufene Seite braucht. Eine schlichte Textseite bringt dann denselben Ballast mit wie die aufwendige Startseite.
In Zahlen bedeutet das bei den Seiten, die wir gemessen haben, regelmäßig mehrere hundert Kilobyte, die ohne sichtbaren Gegenwert übertragen werden. Auf einer schnellen Verbindung fällt das kaum auf. Auf einem Mobiltelefon im Zug entscheidet es darüber, ob jemand bleibt.
Dazu kommt ein Effekt, den man nicht misst, sondern sieht: Seiten, die mit solchen Werkzeugen gebaut sind, springen beim Laden. Erst erscheint der Text, dann rutscht er, weil ein Bildbereich seine Höhe erst spät kennt. Das ist einer der Punkte, die Google inzwischen ausdrücklich bewertet, und es ist einer der wenigen technischen Werte, den auch Laien sofort als Mangel erkennen.
Der dritte Preis: Wartung
Ein Page Builder ist ein großes Stück Software mit vielen Erweiterungen. Große Software wird aktualisiert, und Aktualisierungen verändern manchmal das Aussehen bestehender Seiten. Wer eine Kundenwebsite betreut, kennt den Anruf, dass „auf einmal alles verrutscht“ ist.
Dazu kommt die Kette der Abhängigkeiten. Der Builder braucht eine bestimmte Version des Themes, das Theme eine bestimmte Version des Builders, die Erweiterungen ihrerseits eigene Versionen. Wenn eine WordPress-Hauptversion erscheint, warten Sie auf das langsamste Glied dieser Kette. In der Zwischenzeit läuft die Seite auf veralteter Software.
Was heute stattdessen geht
Der Grund, warum wir umgestellt haben, ist nicht Askese, sondern dass WordPress selbst nachgezogen hat. Der eingebaute Editor kann seit einigen Jahren Spalten, Abstände, Farben, Bildbereiche und wiederverwendbare Bausteine. Und seit die Gestaltung des ganzen Themes im Editor liegt, lassen sich auch Kopfbereich, Fußzeile und Seitenvorlagen ohne Zusatzsoftware ändern.
Der praktische Unterschied für den Kunden ist gering: Er zieht weiterhin Blöcke, er sieht weiterhin, was er tut. Der Unterschied im Untergrund ist groß: In der Datenbank steht sein Text, umgeben von normalem HTML. Wenn das Theme eines Tages gewechselt wird, bleiben die Inhalte lesbar. Das ist die ganze Pointe.
Wir setzen dafür ein eigenes Theme ein, Hafen, das ohne Zusatzwerkzeuge auskommt und im offiziellen WordPress-Verzeichnis steht. Der Punkt dieses Beitrags hängt aber nicht daran. Jedes ordentliche Block-Theme leistet dasselbe, und es gibt inzwischen viele.
Wann ein Page Builder trotzdem richtig ist
Es gibt Fälle, in denen wir nicht umstellen würden. Wenn eine bestehende Seite läuft, gepflegt wird und niemand unzufrieden ist, dann ist der Umbau reine Kosten ohne Nutzen. Der richtige Zeitpunkt für die Frage ist der nächste Relaunch, nicht der nächste Dienstag.
Und wenn im Haus jemand sitzt, der das Werkzeug wirklich beherrscht und damit schnell arbeitet, dann ist dessen Geschwindigkeit mehr wert als ein paar hundert Kilobyte. Werkzeuge, die tatsächlich benutzt werden, schlagen Werkzeuge, die theoretisch besser sind.
Die Frage für Ihren nächsten Relaunch
Stellen Sie dem Anbieter eine einzige Frage: Was sieht ein Besucher, wenn dieses Werkzeug abgeschaltet wird? Wenn die Antwort „eine schlichtere Seite“ lautet, ist alles in Ordnung. Wenn die Antwort ausweicht, kennen Sie den Preis, und Sie kennen ihn rechtzeitig.
In eigener Sache
Hinter Charming Media und hafenstudios steht derselbe Betreiber, Hafen ist ein eigenes Theme. Diese Website hier läuft übrigens selbst noch auf einem älteren Unterbau, und der Umbau steht auf unserer eigenen Liste. Wir halten es für angebracht, das dazuzusagen, wenn man über solche Fragen schreibt.
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