Die Funktionslisten der Anbieter für Mitgliederbereiche sehen alle gleich aus. Zugriffsschutz, Zahlungsanbindung, zeitversetzte Freischaltung, Mitgliederverwaltung, alles vorhanden, alles angehakt. Erst im Betrieb zeigt sich, dass zwei Systeme mit derselben Liste völlig unterschiedlich zu bedienen sind.

Wir gehen deshalb vor jedem Projekt eine feste Reihe von Fragen durch. Sie stehen hier vollständig, damit Sie sie auch ohne uns stellen können.

Wie wird der Zugriff überhaupt geschützt

Es gibt zwei Arten, Inhalte zu schützen. Die erste blendet den Inhalt aus, wenn jemand nicht angemeldet ist. Die zweite liefert den Inhalt gar nicht erst aus.

Das klingt nach einer Feinheit und ist der wichtigste einzelne Unterschied. Bei der ersten Variante steht der Kurstext im Quelltext der Seite und lässt sich mit zwei Klicks lesen. Bei Videos ist es noch deutlicher: Wenn die Videodatei unter einer festen Adresse liegt, ist sie mit oder ohne Mitgliederbereich für jeden erreichbar, der die Adresse kennt, und Adressen werden weitergegeben.

Prüfen Sie das selbst, es dauert eine Minute. Melden Sie sich ab, öffnen Sie eine geschützte Lektion und schauen Sie in den Quelltext der Seite. Wenn Sie dort Ihren Kurstext finden, schützt das System nicht, es versteckt nur.

Was passiert bei Zahlungsausfall

Ein Mitgliederbereich muss Zugänge nicht nur anlegen, sondern auch wieder wegnehmen. Klären Sie, was bei einer fehlgeschlagenen Abbuchung, einer Rückbuchung und einer Kündigung geschieht, und in welcher Frist. Und klären Sie, ob es dazwischen etwas gibt. Ein System, das bei der ersten fehlgeschlagenen Abbuchung sofort sperrt, verliert Ihnen Kunden, deren Karte lediglich abgelaufen ist.

Können Sie Gruppen unterschiedlich behandeln

Sobald Sie mehr als ein Produkt haben, brauchen Sie das. Ein Kunde hat den Grundkurs, einer das Jahresprogramm, einer eine Firmenlizenz für zwölf Mitarbeiter, und einer ist ein Testzugang für einen Journalisten. Prüfen Sie, ob sich solche Fälle abbilden lassen, ohne dass für jeden ein eigenes Produkt angelegt werden muss.

Firmenlizenzen sind dabei der Fall, an dem die meisten Systeme scheitern. Wenn eine Firma zwölf Zugänge kauft und diese selbst vergeben will, ohne dass Sie jeden Mitarbeiter einzeln anlegen, brauchen Sie eine Funktion, die viele Anbieter gar nicht haben.

Wie kommen die Daten wieder heraus

Nicht nur die Mitgliederliste, sondern der Lernstand. Wer hat welches Modul wann abgeschlossen, wer steckt seit acht Wochen bei Lektion drei fest. Diese Daten sind der wertvollste Teil eines Mitgliederbereichs, weil sie Ihnen sagen, wo Ihr Programm klemmt.

Prüfen Sie, ob Sie sie exportieren können und in welchem Format. Bei einigen Systemen bekommen Sie eine Liste der Mitglieder und nichts weiter, und dann fliegt Ihnen der wertvolle Teil beim Wechsel weg.

Was macht das System mit der Ladezeit

Mitglieder-Erweiterungen greifen bei jedem Seitenaufruf ein, weil sie bei jedem Aufruf prüfen müssen, ob dieser Besucher das darf. Manche tun das sparsam, manche tun es für jede Seite der ganzen Website, auch für die Startseite, die gar nicht geschützt ist.

Das ist der häufigste Grund, warum eine Website nach der Einführung eines Mitgliederbereichs plötzlich langsam ist. Messen Sie deshalb vorher und nachher, und zwar auf einer öffentlichen Seite, nicht im Mitgliederbereich.

Wie werden Videos ausgeliefert

Videos gehören nicht auf den eigenen Webserver, das ist eine der wenigen Aussagen in diesem Feld, die ohne Einschränkung gilt. Der Server liefert sie langsam aus, und bei mehreren gleichzeitigen Zuschauern bricht er ein.

Die Frage ist deshalb nicht, ob ein externer Dienst genutzt wird, sondern welcher und wie. Prüfen Sie, ob die Videos dort ungelistet oder domaingebunden liegen, ob der Dienst Werbung einblendet und ob er Zuschauerdaten an Dritte gibt. Bei einem Kurs, in dem es um Gesundheit, Finanzen oder Beziehungen geht, ist die letzte Frage keine Kleinigkeit.

Wie sieht die Anmeldung aus

Die Anmeldeseite ist die Seite, die Ihre zahlenden Kunden am häufigsten sehen. Bei vielen Systemen ist es die Standardanmeldung von WordPress mit dem WordPress-Logo darüber. Das lässt sich ändern, aber prüfen Sie, ob es ohne Zusatzsoftware geht.

Und prüfen Sie den Fall, der wirklich zählt: Was passiert, wenn jemand sein Passwort vergisst. Diese Strecke muss makellos sein, denn sie wird von Menschen benutzt, die gerade frustriert sind und für den Zugang bezahlt haben.

Was kostet es, wenn es wächst

Preise nach Mitgliedern, nach Websites, nach Kursen: Rechnen Sie die Stufe durch, die Sie erreichen wollen. Und prüfen Sie, ob es eine Stufe gibt, ab der eine ganz andere Produktlinie nötig wird.

Und die Frage, die alles entscheidet

Können Sie das System selbst bedienen, ohne uns anzurufen?

Das ist die Frage, die wir zuletzt stellen und die in der Praxis am schwersten wiegt. Ein Mitgliederbereich, für den bei jeder neuen Lektion ein Dienstleister gebraucht wird, wird nicht gepflegt. Er veraltet, und irgendwann verkauft niemand mehr etwas darüber. Ein System, das Ihre Assistenz nach einer halben Stunde Einweisung bedienen kann, ist auch dann das bessere, wenn es auf dem Papier weniger kann.

Wir haben unser eigenes Werkzeug, MemberJet, entlang dieser neun Fragen gebaut, weil sie aus Projekten stammen, in denen jeweils eine davon nicht geklärt war. Prüfen Sie es an derselben Liste wie jedes andere.

In eigener Sache

Hinter Charming Media und hafenstudios steht derselbe Betreiber, MemberJet ist ein eigenes Produkt. Die Prüfliste ist bewusst so geschrieben, dass sie sich gegen jedes System anwenden lässt, auch gegen unseres.